Schade - da war mal wieder mehr drin. Bei unserem 3. Auftritt im Ruhrgebiet gerieten wir in Castrop - Rauxel leider aus der Erfolgsspur. Während wir das im Kellergeschoss eines Hotels befindliche Spiellokal problemlos fanden, gelang dies dem für unser Match angesetzten Schiedsrichter nicht, so dass die Mannschaftsführer wieder mehr Befugnisse erhielten. Um für allgemeine Erhellung zu sorgen, begannen wir mit Tischerücken und Stehlampenverschieben.
Im anschließenden sportlichen Vergleich begegneten wir den Castropern etwa 6 Stunden lang auf Augenhöhe. Dabei konnte Eugen seine Aufmerksamkeit schon nach etwa 2 Stunden entspannt auf die restlichen Partien richten, nachdem sich in seiner Partie keiner der Kontrahenten eine Blöße gegeben hatte und Remis die logische Folge war. In den nächsten beiden Stunden gab er zunächst keine weiteren Entscheidungen.
Am Nachbarbrett schien Achim zwar eine passive, aber durchaus verteidigungsfähige Stellung aufgebaut zu haben. Mit dem Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers senkte sich das Barometer seiner Stellung jedoch nach unten, so dass sein König ins Visier der gegnerischen Figuren geriet. Die Niederlage war nicht mehr zu vermeiden. In meinem Rücken spielten Stefan und Ándre Lupor. Beide hatten es mit spielstarken Gegnern zu tun. Sich in die Stellungen ihrer Partien zu vertiefen, ließ ich bei meinen kurzen Besichtigungstouren lieber bleiben, sah aber, dass sie zwischenzeitlich ordentlichem Druckspiel ausgesetzt waren. Schließlich musste Ándre seine erste Saisonniederlage einstecken, während Stefan in den Remishafen einlenken konnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Martin erfreulicherweise bereits den ersten vollen Punkt für uns eingefahren. Wie er später bemerkte, hatte er sich auf die Eröffnungsvariante seines Gegners gut vorbereitet, was ihm von vorne herein aktives Figurenspiel bescherte.
Beim Stande von 2:3 war noch alles drin. Stefan Arndt hatte in der Eröffnug ein positioneles Baueropfer gebracht und damit praktisch den gesamten gegnerischen Damenflügel lahm gelegt. Das geopferte Material hatte er inzwischen mit Zinsen zurück erhalten und bewegte sich in einem klar besseren Endspiel. Udo hatte sich recht früh das Läuferpaar gesichert, dafür aber einen Doppelbauern in Kauf genommen. Obwohl er den a - Bauern nicht in Trab setzte, stand er keinesfalls schlechter. In beiderseitiger Zeitnot eroberte sein Gegner zwar 3 Bauern für die Qualität, dafür drohte Udos h - Bauer aber zum Matchwinner zu werden. Bei mir hatten sich inzwischen auch etliche Figuren vom Brett verabschiedet. Für einen geopferten Bauern hatte ich zwar den gegnerischen König im Zentrum gehalten und die Entwicklung der Türme erschwert, die erhaltene Kompensation war aber immer mit einem Fragezeichen verbunden, so dass ich froh war, dass materielle Gleichgweicht später wieder herstellen zu können. Nach weiteren 10 - 15 Zügen war ich mir fast sicher, dass ich auf der Siegerstraße war.
Udo fehlte in der von ihm gewählten Fortsetzung schließlich ein Tempo, um die Partie unentschieden zu halten, so dass nur noch ein 4:4 möglich war. Dass Stefan den Sack in seiner Partie nicht mehr zu gemacht hatte, konnte ich gar nicht recht glauben. Er war wahrscheinlich selbst am unglücklichsten darüber, dass er einen Figurengewinn übersehen hatte, nachdem er sich seinen Gegner bereits "richtig zurecht gelegt" hatte. Der anschließende Vorstoß seines Freibauern kam dann zu früh. Dass ich letztendlich nach erfolgtem Turmtausch meine Königswanderung erfolgreich abschloss, um meinen Freibauern zur Dame zu führen, war nur ein kleiner Trost, da die Mannschaftspunkte in Castrop liegen blieben.
Gegen Spitzenreiter Bielefeld haben wir am nächsten Spieltag Anfang Februar nichts zu verlieren. Bislang gilt in dieser Saison nach zwei Niederlagen für uns allerdings an der Rennbahn das Motto von Huub Stevens: "Die Null muss stehen!" Vielleicht ändert sich ja mal was!
Norbert


